Wissenschaftliche Auswertung bestätigt: TelefonSeelsorge Nr. 1 unter den Sorgentelefonen

Die TelefonSeelsorge ist die meistgewählte Nummer im Feld der Telefonberatungen. Das hat eine wissenschaftliche Untersuchung bestätigt. Darüber hinaus gibt die Studie der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen einen detaillierten Einblick in die Arbeit der TelefonSeelsorge.

„Sorgen kann man teilen, Sorgen werden auch geteilt“, so Professor Dr. Martin Klein, der die Untersuchung der Daten zu fast zwei Millionen Gesprächen gemeinsam mit Dr. Rolf Strietholt und Professorin Dr. Eva Christina Stuckstätte durchführte. Häufig sind psychische Erkrankungen und vor allem der Gedanke, sich das Leben nehmen zu wollen, Grund für einen Anruf. Über 57.000 Gespräche wurden zum Thema Suizid geführt, viele davon mit chronisch kranken Menschen. Die TelefonSeelsorge übernimmt mit der Unterstützung von Menschen, die keinen Lebenswillen mehr haben, eine wichtige Funktion im Gesundheitssystem. Die häufig nicht ausreichende Versorgungslage psychisch kranker Menschen in Deutschland führt dazu, dass Institutionen wie die TelefonSeelsorge phasenweise oder über einen langen Zeitraum eine zentrale Instanz in der Begleitung dieser Menschen sind.

 

Anlaufstelle für junge Menschen

Auffällig hoch ist die Anzahl junger Menschen, die Hilfe bei der Telefonseelsorge suchen. Eine erschreckende Tendenz: Auch hier werden zunehmend Suizidabsichten geäußert, fast immer auf dem Hintergrund von körperlicher, seelischer oder sexueller Gewalterfahrung. Die TelefonSeelsorge wird als niedrigschwellige Einrichtung genutzt und dabei auch Angeboten vorgezogen, die auf junge Menschen spezialisiert sind. Oft handelt es sich dabei um Anrufende, so die Erkenntnis in der Studie, die in unserem Gesundheitssystem noch keine feste Anlaufstelle haben.

 

Offenes Ohr für einsame Menschen

Fast 65 Prozent der Anrufenden leben allein, Einsamkeit und Isolation sind zentrale Themen. Oft ist die Telefonseelsorge einer der wenigen Kontakte, viele Menschen nutzen das Angebot regelmäßig. Ältere, alleinlebende Männer gehören heute zunehmend zu den Anrufern. Neben dem offenen Ohr bietet die Telefonseelsorge auch dieser Zielgruppe vor allem kompetente Beratung. Der Aufbau von Netzwerken und Kontakten ist ein wichtiger Ansatzpunkt in den Gesprächen.

 

Gute Beratung durch regelmäßige Auswertung

Um die Arbeit der Telefonseelsorge weiter zu optimieren, werden unter Beachtung datenschutzrechtlicher Aspekte seit vielen Jahren statistische Auswertungen vorgenommen. Die im Jahr 2013 neu entwickelte Online-Statistik professionalisiert die Auswertungen und ist aktuell führend für telefonische Beratungsdienste in der Bundesrepublik Deutschland. Ein Jahreszyklus der Ergebnisse wurde jetzt erstmalig von der Forschungsgruppe um Professor Klein ausgewertet.

 

Träger der TelefonSeelsorge sind die Evangelische und die Katholische Kirche in Deutschland. Die Deutsche Telekom trägt sämtliche Gebühren für die unter den beiden Sondernummern geführten Telefongespräche. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt die Arbeit der TelefonSeelsorge in Deutschland seit Jahren durch finanzielle Zuschüsse.

 

Hintergrundinformationen

Der Abschlussbericht steht auf der Homepage der TelefonSeelsorge zum Download bereit: www.telefonseelsorge.de/presse

Eine 20-seitige Fassung des Untersuchungsberichts wird im Januar 2016 in der Publikation „Telefonseelsorge interdisziplinär“, hg. von Eberhard Hauschildt und Bernd Blömeke, in der Reihe: „Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgie und Hymnologie“ des Verlages Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, veröffentlicht.